Tutorial 1

 

 

Kurz eingeordnet

Im Auftakt der Tutorial-Serie werden Messwert und Rezeptqualität von einander getrennt. Alles Weitere baut auf dieser Unterscheidung auf.

 

Ziel dieses Tutorials

• verstehen, was EC misst und was nicht

• ppm-Skalen richtig einordnen

• EC in statischen, rezirkulierenden und Drain-Systemen deuten

• typische EC-Fehler vermeiden

 

Was EC wirklich zeigt

Der EC-Wert steht für elektrische Leitfähigkeit. Er zeigt, wie viele gelöste Ionen in einer Lösung zur Leitfähigkeit beitragen. Das ist nützlich, weil eine Nährlösung ohne gelöste Salze nicht versorgen kann und eine zu konzentrierte Lösung Wurzeln belastet.

Der EC sagt aber nicht, welche Ionen vorhanden sind. Natrium, Calcium, Nitrat, Kalium oder Chlorid erhöhen alle die Leitfähigkeit - für die Pflanze haben sie aber völlig unterschiedliche Bedeutung.

Kernaussage

EC ist ein Kontrollwert. Er sagt nichts über die Rezeptur oder die Nährstoffverhältnisse aus.

 

ppm-Skalen: warum Zahlen nicht immer vergleichbar sind

Viele Messgeräte zeigen zusätzlich ppm an. Dabei wird EC mathematisch umgerechnet. Je nach Gerät wird häufig eine 500er-, 640er- oder 700er-Skala verwendet. Dadurch können identische Lösungen unterschiedliche ppm-Werte anzeigen.

Skala

Beispiel bei EC 1,0 mS/cm

Hinweis

500

ca. 500 ppm

häufig NaCl-orientiert

640

ca. 640 ppm

Mittelweg, je nach Hersteller

700

ca. 700 ppm

häufig KCl-orientiert

 

Darum sollten ppm-Werte nur sinnvoll verglichen werden, wenn die verwendete Skala bekannt ist. Für präzise Rezeptarbeit sind echte Element-ppm wie Calcium, Magnesium oder Kalium deutlich wertvoller.

EC im Verlauf lesen

Ein einzelner EC-Wert ist nur wie ein “Foto”. Interessant wird der “Film”: Wie verändert sich EC zusammen mit Wasserstand, Drain, pH und Pflanzenzustand?

· EC steigt im Tank bei fallendem Wasserstand: oft Aufkonzentration durch Wasserverbrauch.

· EC sinkt bei gesundem Wachstum: oft aktive Nährstoffaufnahme.

· Drain-EC steigt dauerhaft über Input: möglicher Salzaufbau im Substrat.

· EC bleibt stabil: gut möglich, aber einzelne Nährstoffe können sich trotzdem verschieben.

In rezirkulierenden Systemen ist der Verlauf besonders wichtig, weil die Lösung immer wieder genutzt wird. In Drain-to-waste-Systemen ist der Vergleich von Input und Drain aussagekräftiger.

Typische Fehler

· EC als alleinige Düngeentscheidung verwenden

· Bei niedrigem EC sofort mehr Gesamtdünger geben, ohne Wasserstand oder Aufnahme zu prüfen

· Bei hohem EC sofort verdünnen, ohne zu wissen, ob es Input, Drain oder Tank betrifft

· ppm-Angaben verschiedener Skalen vergleichen

· Natrium- oder Chlorid-EC mit echter Nährstoffversorgung verwechseln

 

FAIRTYPLANT-Nutzen in diesem Thema

FAIRTYPLANT nutzt EC als Plausibilitätskontrolle, nicht als alleinige Zielgröße. Entscheidend sind die Element-Zielwerte und deren Verhältnis.

Der Solver macht sichtbar, ob ein EC sinnvoll zusammengesetzt ist oder nur scheinbar passt.

 

Merksätze

• EC misst Stärke, nicht Balance

• ppm-Skalen sind ohne Umrechnungsbasis nicht vergleichbar

• Input-EC, Drain-EC und Tank-EC bedeuten unterschiedliche Dinge

• Der Verlauf ist wichtiger als der Einzelwert

 

Fazit

Wer EC richtig versteht, vermeidet viele Fehlreaktionen. EC ist wertvoll, aber erst zusammen mit Wasserprofil, Rezept, pH, Drain, Tankverlauf und Pflanze entsteht eine belastbare Bewertung.