Tutorial 5

Kurz eingeordnet

Dieser Artikel ist der Coco-Spezialist der Serie. Allgemeine pH- und Wassergrundlagen werden nicht wiederholt, sondern auf Coco angewendet.

 

Ziel dieses Tutorials

• Coco als Kationenaustauscher verstehen

• Sackware und Ziegel realistisch bewerten

• Pufferung praktisch durchführen

• Vorbereitung für Keimung und größere Pflanzen unterscheiden

 

Coco ist nicht neutral

Coco speichert Wasser und Luft gut, besitzt aber Austauschplätze für Kationen. Dadurch kann es Calcium und Magnesium binden und Kalium oder Natrium freisetzen. Das verändert die Lösung im Wurzelraum.

Darum können rechnerisch gute Rezepte schlecht wirken, wenn Coco nicht vorbereitet wurde. Besonders junge Pflanzen reagieren empfindlich auf Salzlast, Kaliumdominanz oder Ca/Mg-Bindung.

Sackware oder Ziegel - prüfen statt vertrauen

Sackware wird oft als gebrauchsfertig beworben. Das kann stimmen, muss aber nicht. Chargen können in Salzlast, Feinanteil, pH-Verhalten und Pufferung schwanken.

Coco-Ziegel wirken aufwendiger, bieten aber Kontrolle beim Aufquellen, Waschen und Sieben. In der Praxis kann ein selbst vorbereiteter Ziegel weniger Ärger machen als ungeprüfte Sackware.

Praxisregel

Auch gebrauchsfertiges Coco mindestens auf Struktur, Drain-EC, pH-Verhalten und Feinanteile prüfen.

 

Feinanteile reduzieren

Sehr „schlammiges“ Coco kann Luftporen zusetzen und den Drain verschlechtern. Ein großes Küchensieb hilft, übermäßige Feinanteile zu entfernen. Dazu wird beim Aufquellen des Coco-Ziegels etwas mehr Wasser zugesetzt und portionsweise Coco mit Wasser gespült. Feinanteile („Schlamm“) werden herausgespült; zurück bleibt Coco mit gröberer Struktur und Faseranteil. Das bildet eine solide Pflanzbasis und macht die Zugabe von Perlit in vielen Fällen überflüssig.

Ziel ist ein luftiger, gleichmäßiger Wurzelraum. Perlite kann zwar grundsätzlich die Struktur verbessern, rettet aber kein „verschlammtes“, salziges oder schlecht gepuffertes Coco. Wenn auf Perlit verzichtet wird, steht den Pflanzen mehr nutzbares Coco-Volumen als Wurzelraum zur Verfügung.

Spülen, Puffern, Konditionieren

Schritt

Ziel

Kontrolle

Spülen

lösliche Salze entfernen

Input- und Drain-EC

Puffern

Austauschplätze mit Ca/Mg besetzen

EC-Verlauf, pH plausibel

Konditionieren

Startzustand für Pflanze herstellen

pH/EC der Startlösung

 

Eine praxistaugliche Pufferung sind ca. 2x Topfvolumen Pufferlösung in zwei langsamen Durchläufen. Als Orientierung: etwa 120 ppm Calcium und 40 ppm Magnesium, pH ca. 5,8 bis 6,2. Der Drain-EC sollte sich dem Input annähern oder zumindest stabiler werden. EC ist hier aussagekräftiger als pH, pH-Ausreißer sollten aber beachtet werden.

Nach der Pufferung

Nicht aggressiv mit reinem RO-Wasser leer spülen. Die Pufferung wird nicht sofort zerstört, aber Porenlösung und Gleichgewicht werden wieder verschoben.

Wenn nachgespült wird, dann besser mild: etwa 50 ppm Calcium, 15 ppm Magnesium, pH ca. 5,8. Für Samen und Anzucht anschließend mit einer sehr milden Keimlingslösung konditionieren; für größere Pflanzen mit einer passenden Nährlösung.

 

FAIRTYPLANT-Nutzen in diesem Thema

FAIRTYPLANT passt besonders gut zu Coco, weil Calcium, Magnesium und Kalium nicht pauschal, sondern gezielt über Bausteine geführt werden können.

Der Solver hilft, Keimlingslösung, Startlösung oder phasenpassende Nährlösung an Wasser und Coco-Situation anzupassen.

 

Merksätze

• Coco ist kein neutraler Schwamm

• Ziegel- und Sackware immer prüfen

• Spülen, Puffern und Konditionieren sind verschiedene Schritte

• Perlite ersetzt keine chemische Vorbereitung

• Nach dem Puffern nicht mit RO leerziehen

 

Fazit

Coco kann hervorragende Ergebnisse liefern, wenn Struktur, Salzlast, Ca/Mg-Pufferung und Startlösung zusammenpassen. Die beste Nährlösung beginnt hier mit gut vorbereitetem Coco!